Das Wetter hatte uns einen Strich durch die geplante Wanderung im Erzgebirge gemacht, so wurde es eine kleine, aber sehr feine Runde im nahen Aschberggebiet. Auf einer tschechischen Erzgebirgsseite war ich auf einen Lehrpfad bei Schwaderbach aufmerksam geworden. Unweit davon erhebt sich der Aschberg, dies sollte eine Runde verbinden. Wir starteten also in Bublava, stellten das Auto auf dem großen Parkplatz gegenüber vom Restaurant U Pražáka ab. Der Weg führte etwas dürftig markiert aufwärts. Er verzweigte sich in der Folge mehrfach, wir wählten meist die am Wasserkanal entlang führende Variante. Ja, das hatte schon etwas von Waalweg. Der Kanal wurde übrigens 1605 erbaut und diente der Trinkwassserversorgung von Herrn und Schwaderbach. Der Ort Herrn wurde nach 1945 zerstört, man hatte auch hier ein Grenzgebiet nach Deutschland eingerichtet, störende Dörfer mussten weg. Vorbei an einigen Felsen kamen wir kurz nach dem Breiten Stein an eine Bifurkation, wie die Hydrologen das laut der dortigen Informationstafel nennen. Ein Bach teilt sich auf, hier zweigt eben der künstliche Herrnbach Richtung Bublava ab. Erst bei Kraslice treffen sich beide Arme wieder. Noch einige Meter am schönen Bach aufwärts, dann zweigte ein Asphalt-Waldweg nach links ab. Ihm folgten wir bis zu einem unbeschilderten Abzweig steil aufwärts.





















Am Abzweig selbst war der Weg ziemlich zerstört, wohl für Forstarbeiten vorbereitet. Bald aber zweigte ein undeutlicher Pfad rechts aufwärts ab. Er zog hinauf zu den Drei Steinen (916 m), einer kleinen Felsformation – allerdings fast aussichtslos. Kurze Rast an diesem schönen Ort, dann nochmal wenige Meter bis zur Aschberg-Wiege. Von der hatten wir noch nie gehörte, ein imposanter Granitfelskomplex. Der Name beruht wohl auf der folgenden Sage:
Auf dem Rücken des Aschbergs befindet sich ein trotziger Fels, die „Aschbergwiege“. Die Legende besagt, dass sich am Gründonnerstag ein Spalt in diesem Felsen öffnet. Nur ein Kind, das an einem Sonntag geboren wurde, in einer Wiege aus Aschberger Fichtenholz gelegen hat und mit dem „Lächeln des Glücks“ gesegnet ist, kann diesen Spalt betreten. In der Höhle soll ein Schatz aus Gold, Silber und Edelsteinen sowie eine unscheinbare, alte Bergmannslampe verborgen sein.
Die Entscheidung: Nimmt das Kind die Schätze und greift nach der Lampe, verschließt sich die Höhle für immer und verwehrt allen anderen den Zugang.
Die Alternative: Greift das Kind jedoch nur nach der Lampe und lässt die anderen Reichtümer unberührt, werden ihm „alle Schätze der Erde“ untertan, was auf eine Art spirituellen oder symbolischen Reichtum hinweist.
Die Sage wurde vermutlich von einem Bergmann erdacht und spiegelt die mystische Verbindung der Region zur Natur und ihren verborgenen Schätzen wider. Sie ist besonders bei älteren Einheimischen bekannt, während jüngere Generationen den Namen „Aschbergwiege“ oft nicht mehr kennen.


























Alle Wege nach Nordwesten führten dann zum 936 m hohen Aschberggipfel, mit einer Gipfelsäule, früher mal Teil der sächsischen Triangulation. Weiter führte uns unsere Wanderung zum deutschen Teil des Aschbergplateaus, vorbei an der, leider wegen Urlaub geschlossenen, Aschbergalm. Von der Jugendherberge führte der Weg wieder abwärts. Anfangs auf steilem Waldweg, dann über eine Wiese gelangten wir bald wieder an unseren Lehrpfad und mit diesem hinab zum Parkplatz. Eine Einkehr in das empfehlenswerte Restaurant U Pražáka schloss sich an.
Nun waren wir also auch mal auf dem Aschberg, bisher hatten wir – wie sicher viele – den sächsischen Bereich um den Turm für den höchsten Punkt gehalten. Die Wanderung eignet sich auf jeden Fall auch für Kinder und sie führt meistenteils auf sehr angenehmen Wegen entlang, Asphalt ist selten. Ein Glücksfall hier in der Region.
